Mittwoch, 7. Januar 2009

Letzte Züge

Vorweg: DON'T PANIC!

Ich plane noch nicht, von diesem Planeten abzutreten. Im Gegenteil, ich habe viele Mut machende Geschichten gehört, in denen Menschen noch aussichtslosere Situationen überstehen und gestärkt daraus hervorgehen. Das will ich für mich auch erreichen.

Heute war bei Maischberger eine Diskussionsrunde, die für mich wie gemacht war: Dr. Eckhart von Hirschhausen trifft auf die Schamanin Christa Yellowtail und Clemens Kuby, einen Selbstheiler, der einen ziemlich von sich selbst überzeugten Eindruck machte. Allerdings fehlt mir, trotz meiner Krankheit, zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein wenig der Zugang zur Esoterik. Ich habe jedoch kürzlich das Buch "Krankheit als Symbol" von Dr. Rüdiger Dahlke gekauft, und meine Verlobte hat mich auf Parallelen hingewiesen, die zwischen meinem Verlauf und der von Dahlke getroffenen Aussagen bestehen. Vielleicht kann das für mich die alternative Heilmethode sein: Psychotherapie und evtl. Hypnosetherapie - Dr. Gunther Schmidt macht einen kompetenten und vertrauenserweckenden Eindruck.

Wie dem auch sei:

Meine Bestrahlung neigt sich dem Ende zu, und ich habe bisher nur textuell berichtet - wie langweilig. Ich habe also heute unsere Kamera - also, eigentlich gestern - mitgenommen, und eine der netten Damen gebeten, ein paar Bilder zu schiessen. Hier das Resultat, mit Erläuterung:

Ich bin im "örtlichen Krankenhaus", in Haus "geheim" und werde dort mit einem Mevatron von Siemens bestrahlt. Das ist ein Linearbeschleuniger, der es ermöglicht, die Tumorzellen hochenergetischen Strahlungen auszusetzen, die diese noch schlechter vertragen als das gesunde Gewebe.

Das Ganze findet in diesem Gebäude statt.
Auf diesem Bild ist auch die momentan sehr winterliche Athmospäre gut zu erkennen. Überall liegt Schnee, der Himmel war blau und wolkenfrei und ich fühle mich recht wohl dort.

Klar, es ist immer noch ein Krankenhaus, aber was solls.







Wenn man sich das nächste Bild etwas genauer ansieht, sieht man auch die Tür mit dem Hinweisschild "Hier bitte nicht abschließen. Wir arbeiten länger als der Rest!" Ich glaube sogar, liebes Strahlenteam, ihr arbeitet besser als der Rest. Zumindest, was euer Krankenhaus angeht...









Wenn ich eingetroffen bin, muss ich mich zur Tür der Strahlen- therapie begeben, und meine Patientenkarte dort einwerfen.
Nach kurzem Warten werde ich dann in eine Umkleidekabine gerufen, in der ich mich vorbereite. In meinem Fall: Pulli ausziehen und die Wertsachen in die Jacke packen.
Nochmal kurz warten, und der Linearbeschleuniger erwartet mich - zusammen mit dem Behandlungstisch und meiner höchstpersönlichen Bestrahlungsmaske.




Ich lege mich auf den Tisch, bette meinen Kopf auf den "Keil" und bekomme die Maske aufgesetzt. Das sieht dann etwa so aus, wie auf dem rechten Bild. Die Linien sind übrigens in der Waage und dienen zusammen mit einem Laserraster (das sich nicht fotografieren lassen wollte) der Überprüfung meiner Kopfposition. Die sollte möglichst stimmen, denke ich...

Das angezeichnete Feld ist eines der Bestrahlungsfelder. Also, da wo die Haare ausfallen.




Dann dreht sich der Linear- beschleuniger in Position, und es beginnt zu summen. Während der Bestrahlung selbst bin nur ich im Raum, deswegen nur ein Bild, das mich und den Beschleuniger kurz vor dieser intimen Phase meiner Behandlung zeigt.
Die erste Bestrahlung dauert in etwa zweieinhalb Minuten. Das ist wirklich unaufdringlich und friedlich. Ich visualisiere in dieser Zeit meistens die Wirkung auf den Tumor, und bereite mich auf den Angriff meiner Killerzellen auf die Überreste vor. Jeder nach seiner Art.



Aufgrund der Position meines unerwünschten Besuchs erfolgt meine zweite Sitzung von unten. Da mein Kopf durch den Keil etwas angehoben wird, wir die Menge des bestrahlten Gehirngewebes minimiert. Gut zu wissen: Jeder der beiden Strahlenkanäle bekommt nur die Hälfte der Gesamtdosis ab. Nur die Kreuzungsbereiche bekommen die "volle Dosis" - und da liegt eben der Tumor.

Auch diese Sitzung dauert nur Minuten. Dann heisst es: ein Weilchen warten, bis die fleißigen Damen "am Gerät" die Maske gelöst und mich aus der gewollten Zwangslage befreit haben.





















Für dieses Bild hat man mir heute mal erlaubt, die Maske selbst abzunehmen. Tja, und das wars auch für eine typische Hirntumor-Bestrahlungssession. Ich hoffe, für euch war das so interessant, wie es für mich inzwischen zur Routine geworden ist.

Also: Niemals aufgeben, niemals kapitulieren.

Und natürlich: Schatzgilim, ich liebe dich!

Kommentare:

  1. Hi Sebastian, erst einmal wünsche ich Dir viel Licht und Erkenntnis und Mut für das Jahr 2009 - ich glaube du bist auf einem guten Weg. "Krankheit als Symbol" kenne ich gar nicht, ich dachte du meintest "Krankheit als Weg", aber die Ansätze werden sich ähneln. Kennst du die Allgemeinlektüre zu diesem Thema, nämlich "Schicksal als Chance"? Auch nicht zu verachten, vom gleichen Autoren. Ist es mir jetzt eigentlich gelungen, mitzubloggen? Das Anmeldeverfahren dazu finde ich etwas verwirrend und kompliziert, aber offenbar hat es geklappt. Aus Kreuztal sonst nichts Neues - mach weiter so!
    Liebe Grüße von Björn

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  2. Hat es, Björn.

    Grüß mal die FFW X-Tal von mir. Danke für den Hinweis. Ich schau mir das mal an.

    Gruss,
    Sebastian

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  3. Wow, das ist ja beeindruckend!
    Ich habe es ir zwar so ungefähr vorgestellt, aber mit Bildern wird es doch konkreter.
    Egal, entscheidend ist, dass du es packst! Und das sieht ganz so aus.
    Du hast dich super gehalten, toll, mein Sohn!
    Alles wird gut, ich bin überzeugt davon!
    Wie schön, dass du auf deinem Weg eine so liebevolle Begleiterin hast.
    Ich danke ihr dafür und ich liebe euch beide!
    Deine Mutter

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  4. *hm* Die Bilderstrecke ist echt gut geworden. Mir läuft es dabei irgendwie kalt den Rücken runter. Aber: du hast geschrieben das du das letzte Mal dort warst. Heißt das du bist fertig? Wie geht es weiter? Was kommt als nächstes?

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